Wölfe in  Deutschland

 

Isegrim ist wieder da!

1904 wurde in Hoyerswerda der "letzte Wolf" Deutschlands erschossen, und auch in den nachfolgenden Jahrzehnten kam es immer wieder zu Abschüssen von nach Deutschland eingewanderten Wölfen, bis heute, obwohl sie seit 1990 unter gesetzlichem Schutz stehen.
Dennoch ist es dem Wolf gelungen, sich wieder in Deutschland anzusiedeln:
1996 wurde der erste Wolf auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz in der Muskauer Heide gesichtet.
1998 wurde auf demselben Territorium ein Wolfspaar gesichtet, und im Jahr 2000 wurden erstmals nachweislich 4 Welpen geboren. Im Wolfsgebiet Lausitz leben gegenwärtig fünf Wolfsrudel mit bisher alljährlichem Nachwuchs und ein Wolfspaar, das vermutlich noch keine Welpen hatte.
Die Population von derzeit 17-20 territorial in der Lausitz lebenden Wölfen (über 1 Jahr alt) besiedelt eine Fläche von circa 2000 Quadratkilometer und ist die kleinste Wolfspopulation Europas. Insgesamt wurden in Deutschland in den letzten Jahren etwa 80 Wolfswelpen geboren, 60 Tiere sind bis April 09 abgewandert. Daher sind weitere Rudelgründungen in Sachsen und Brandenburg zu erwarten.
Für detaillierte Informationen die Lausitzer Wolfsrudel betreffend, empfehle ich Ihnen die Seite www.wolfsregion-lausitz.de (siehe unter Links).

Es wurden zudem einzelne Wölfe in mehreren Bundesländern nachgewiesen, wie zum Beispiel in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und in Mecklenburg-Vorpommern, auch in Niedersachsen und in Hessen.
Die in der Grenzregion Bayrischer Wald bis Fichtelgebirge gesichteten Wölfe waren vermutlich Grenzgänger aus Tschechien.
Ein am Starnberger See  durch einen Verkehrsunfall zu Tode gekommener Wolf war ein aus Südeuropa eingewandertes Tier, wie eine genetische Untersuchung ergab.

 

Wölfe brauchen keine unberührte Natur, um in Deutschland überleben zu können, sondern unsere
Akzeptanz und die Bereitschaft, wieder etwas mehr Wildnis in unserer Nachbarschaft zuzulassen.

 

Karte: Wölfe in Deutschland

Wölfe in Deutschland (Stand 2009)

 

Lebensgrundlage der Wölfe

Wie wir Menschen, so können auch die Wölfe so gut wie überall  leben - in Wäldern, in Gebirgen, Steppen und Wüsten, sogar in eiskalten Regionen. Einzig wichtig ist für Wölfe das Vorhandensein von Nahrung, Wasser, und einem Rückzugsraum vor dem Menschen, wo sie auch ihren Nachwuchs aufziehen können.
Beutetiere: Bei uns fressen die Wölfe vor allem Rehe, Hirsche und Wildschweine.
Da Wölfe nicht zwischen Wild  und Nutztieren unterscheiden können, ist es notwendig, kleinere Nutztierarten wie Schafe und Ziegen vor diesen Beutegreifern zu schützen. Bewährt haben sich hier Elektrozaun und Herdenschutzhund.

 

 

Was gefährdet die Wölfe in Deutschland? Haben sie eine Zukunft?

Tatsächlich ist die kleine Wolfspopulation in Deutschland sehr gefährdet. Ihre Zukunft ist besonders bedroht durch Krankheiten (z.B. Räude und Tollwut), durch Verkehrsunfälle  (in den letzten Jahren starben insgesamt 8 Tiere auf Deutschen Straßen) und durch illegale Tötung. Eine Gefahr für die noch sehr kleine Wolfspopulation stellt auch die Hybridisierung mit Hunden dar.

 

 

Welchen Einfluss haben die Wölfe auf die Natur?

Ursprünglich wurde es so eingerichtet, dass Wölfe (wie auch andere Beutegreifer) den Wildbestand derart regulieren, dass der Wald nicht durch ein zu hohes Vorkommen an Pflanzenfressern, die die Triebe und Rinde der Bäume abfressen, zu Schaden kommt. Dies aber geschieht, seit Fleischfresser, wie Wolf, Bär und Luchs, aus unseren Wäldern verschwunden sind. Der natürliche Feind des Wildes fehlt, das ursprüngliche, ökologische Gleichgewicht ist gestört. Resultat sind, auf Grund des hohen Wildbestands, zum Teil hohe Schäden für die Land und Forstwirtschaft. Junge Bäume können nicht wachsen und alte werden von Schädlingen befallen, so leidet nicht nur der Wald, sondern auch das Wild, das dadurch hungern muss. Die Jäger versuchen Ausgleich zu schaffen, sind jedoch in der Regel nicht in der Lage, kranke und schwache Tiere von gesunden, starken zu unterscheiden. Während Wölfe überwiegend unerfahrenes, altes und geschwächtes Wild auswählen, weil sie dieses einfacher erbeuten können, fallen der menschlichen Jagd in hohem Maße auch gesunde Tiere zum Opfer. Wölfe regulieren somit den Wildbestand, halten ihn gesund - und damit auch den Wald.  

 

                                                            Wo der Wolf heult, ist der Wald gesund

                                                                                                (Russisches Sprichwort)

 

Es sollte nicht darum gehen, ob wir die Wölfe haben wollen oder nicht, und ob sie in unseren Augen einen Sinn erfüllen und uns von Nutzen sind oder nicht. Wir sollten vielmehr anerkennen, dass der Wolf einfach dazu gehört.
Lassen Sie uns akzeptieren, dass auch diese Tierart eine absolute Daseinsberechtigung in unserer Natur hat, unabhängig von unserer Zustimmung oder Ablehnung.

 

 

Wie verhält man sich im Falle einer Begegnung mit dem Wolf?

Wölfe in Deutschland_4

In der Regel werden wir Wölfen nicht begegnen, weil sie das Weite suchen, sobald sie den Menschen bemerken. Sollten Sie dennoch das Glück haben, einen Wolf zu Gesicht zu bekommen, brauchen Sie keine Angst zu haben. Genießen sie es und beachten sie möglichst folgende Verhaltensempfehlungen;

  • Nicht weglaufen, sondern stehen bleiben und das Tier beobachten.

  • Ziehen Sie sich langsam zurück, sollten Sie mehr Abstand wollen.

  • Der Wolf ist leicht zu vertreiben, indem Sie ihn laut ansprechen, in die Hände klatschen oder kräftig mit  den Armen winken.

  • Bitte nicht hinterher laufen, nicht berühren, nicht anlocken und  nicht füttern!

 

 

Zur Sprache der Wölfe - und zur medienwirksamen "Wolfsfratze" ...

Wölfe in Deutschland_1Wölfe haben eine komplexe Laut  und Körpersprache und verständigen sich auch durch Gerüche und Berührungen. Neben dem wohlbekannten Wolfsheulen, das dem Zusammenhalt der Familie dient, winseln, wuffen, bellen und schreien Wölfe je nach Anlaß - und sie knurren auch, um Artgenossen in ihre Schranken zu weisen. Meist werden mit dem Knurren die Zähne gefletscht und die Nase gerunzelt.   
Und nur allzu gern werden solche Fotos für reißerische Zeitungsberichte verwendet, und es wird vermittelt, dass es das ist, was wir zu erwarten haben, sollten wir einem Wolf in freier Wildbahn begegnen. Schon in den Märchen wird Kindern dieserart Angst gemacht  und dem Wolf großes Unrecht angetan. Denn in Wirklichkeit ist nichts dran, an solchen Schauergeschichten. Zum einen gehört der Mensch nicht in des Wolfes Beutespektrum - er löst in dem scheuen Wildtier ausschließlich Fluchtverhalten aus -, zum anderen zeigt ein Wolf ein solches Drohgesicht nicht seinen Beutetieren sondern seinen Artgenossen.
So bedrohlich es auch aussieht, Drohgebärden sind ein ganz normaler Bestandteil der stark auf Mimik und Gebärdensprache basierenden Kommunikation der Tierart "Wolf".
Zwar kann dem Drohen auch ein Angriff folgen, sollte diese Vorwarnung nicht ernst genommen werden, doch werden Streitigkeiten innerhalb des Rudels fast immer friedlich geregelt. Und geht es doch mal etwas lauter zu, handelt es sich um nichts weiter, als um Rituale der Unterordnung.

Zur Veranschaulichung ein Foto von dem 14-jährigen Amarok, auf dem er in Verteidigung seines Individualraums diese wolfstypische Mimik zeigt.

Unzählige Male hat Amarok dem in seiner Aufdringlichkeit unermüdlichen Junghund Pepino dieserart mitgeteilt, dass er seine Ruhe vor ihm haben möchte. Und nicht ein einziges Mal folgte dieser Mahnung ein Angriff, Pepino wurde kein Haar gekrümmt, es blieb bei Drohgebärden.

                                

Das Leben in  einer Wolfsfamilie ist eher harmonisch, zu ernsthaften Auseinandersetzungen kommt es so gut wie nie, denn dem Wolfsrudel ist die Gesundheit eines jeden Tieres wichtig. Wichtig für die Jagd, und somit wichtig fürs Überleben des Rudels. Deswegen vermeiden es die Mitglieder einer Wolfsfamilie, sich untereinander zu verletzen.
Anders sieht es bei Gehegewölfen aus, also Tieren in Zoos und Tierparks. Hier kann es tatsächlich zu heftigen Auseinandersetzungen kommen, weil die Tiere gezwungenermaßen zusammenleben und einander kaum ausweichen, geschweige denn abwandern können.
Bei Gehegewölfen entstehen Rangordnungen oft auf kämpferische Weise, da gibt es dann Alpha-Wölfe, Beta-Wölfe, untergebene Wölfe und oft auch einen Omega-Wolf, der als Zielscheibe für angestaute Rudelaggressionen herhalten muss. Um die höheren Plätze wird teilweise erbittert gekämpft. Es ist bedauerlich, dass wir nur in Zoos und Tierparks die Gelegenheit haben, Wölfe zu beobachten, die uns dann aufgrund unnatürlicher Lebensbedingungen mitunter das Bild des bösartigen Wolfes zu bestätigen scheinen, das doch mit frei lebenden Mitgliedern eines Wolfsrudels nicht viel zu tun hat.   

 

 

Wie sieht das Leben in einem Wolfsrudel aus?

Die Größe eines Rudels hängt vom Nahrungsangebot ab - in Mitteleuropa kann man von 100 bis 450 Quadratkilometer großen Territorien ausgehen. Die Rudelgröße liegt bei circa fünf bis zehn Tieren.

Wölfe in Deutschland_3

 

Die Struktur eines Wolfsrudels ähnelt der einer menschlichen Familie, auch ein Wolfsrudel besteht aus einem Elternpaar und dessen Nachwuchs, meist Welpen aus diesem und dem vorigen Jahr. Der Zusammenhalt eines Wolfsrudels ist sehr eng, es wird gemeinsam gejagt, gefressen, ausgeruht und gespielt. Auch an der Aufzucht der Welpen beteiligen sich alle Familienmitglieder.
Welpen werden nach circa 63 Tagen Trächtigkeit nur einmal im Jahr geboren, im April und Mai. Die zunächst blinden und tauben Jungen, meist vier bis sieben Welpen, kommen in einer Höhle zur Welt und wiegen circa 450-500g. Die ersten drei Wochen verbringen sie in der Wurfhöhle, ihre Nahrung ist die Muttermilch. Dann verlassen sie die Höhle erstmals und beginnen neben der Muttermilch auch das von den anderen Rudelmitgliedern hervor gewürgte Fleisch zu fressen. Zunächst bleibt das  Rudel an der Höhle, wird es dort nach etwa neun Wochen zu eng für die Welpen, zieht das gesamte Rudel zum sogenannten Rendezvouz-Platz. Wichtig ist für solche Plätze, dass Wasser in der Nähe ist, genügend Beutetiere und Deckungsmöglichkeiten. Was die heranwachsenden Welpen wissen müssen, lernen sie nun von den älteren Rudelmitgliedern, von denen zudem ein rangniedriges Tier als "Babysitter" bei den Welpen zurück bleibt, wenn das restliche Rudel zur Jagd aufbricht. Die jungen Wölfe müssen sich schnell entwickeln, damit sie im Herbst in der Lage sind, mit dem Rudel den Beutetieren zu folgen und alsbald an der Jagd teilzunehmen.
Es dauert etwa zwei Jahre, bis ein Wolf erwachsen ist. Dann verlässt er das Rudel und begibt sich auf oft lange Wanderschaft, um selbst eine Familie zu gründen.  

 

 

Hinweise auf Wölfe erhält man durch:

Wölfe in Deutschland_5

Wolfsspuren - Geschnürter Trap

  • Fährten

  • Losung

  • Überreste von Beutetieren

  • Genetische Untersuchungen

  • Filmische / fotografische Dokumentationen

  • Hinweise aus der Bevölkerung

  • Telemetrie-Daten
     

Wölfe in Deutschland_6

Wolfslosung - Man erkennt deutlich
die Fellreste des Beutetiers

 

Dank eines Funkhalsbandes konnte man zum Beispiel den Weg des in der Muskauer Heide (Lausitz) geborenen Wolfsrüden “Alan“ verfolgen, der innerhalb von 86 Tagen eine Strecke von 1.200 km bis nach Weißrußland zurückgelegt hat.  

Momentan deutet sich an, dass die Wölfe sich weiter in Deutschland ausbreiten werden und hier in freier Natur wieder heimisch werden könnten.
Die Zahl der Wölfe in Brandenburg nimmt zu. Erstmals kann das Landesumweltamt halbwegs verlässliche Zahlen vorlegen.

 

POTSDAM - „Sieben oder acht Wölfen leben fest im Land“, sagte Behördenpräsident Matthias Freude. Inzwischen hat das Tier von der Lausitz aus Lebensraum im Norden des Landes gefunden. Im Süden Brandenburgs lebt ein Wolfspaar. Auf dem früheren Truppenübungsplatz Jüterbog (Teltow-Fläming) hat eine Fotofalle ein weiteres Exemplar nachgewiesen. „Nach den Fährten zu urteilen, sind es aber sicher zwei“, sagte Freude. Zudem hat eine Fotofalle bereits mehrmals einen Wolf auf der Kyritz-Ruppiner Heide bei Wittstock abgelichtet. „Vor zwei Wochen hat ein Bundesförster das Tier aus kurzer Distanz sogar beobachtet“, berichtet der Umweltamtschef. Auch in der Prignitz ist das Tier nachgewiesen worden.

Neuerdings entwickle sich der Fläming zu „Wolfserwartungsland“. Dort haben Forscher ein Wolfspaar mit Jungen gefunden. Allerdings sei im Juni am Nordrand des Fläming illegal ein Wolf geschossen worden. Ob es sich um den Rüden des Paares handelt, ist nicht bekannt.

Nach der Wende sind 65 Tiere illegal geschossen worden. „Die Dunkelziffer dürfte höher liegen“, erklärte Freude. In diesem Jahr sind sieben Schafe von Wölfen gerissen worden. 2007 waren es nur vier, vergangenes Jahr wurden 60 Schafe und zwei Ziegen gezählt. „In den meisten Fällen waren es aber verwilderte Hunde. “

(erschienen in der Print-Ausgabe des „Tagesspiegel“ vom 25.07.2009)

 

 

Der Wolf kann wieder bei uns heimisch werden,
wenn wir Menschen es denn zulassen...

 

 

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